Kommt bei Homöopathie die Wirkung durch den Glauben? Umgekehrt.

Inhalt:

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) - Signaturenlehre

Auflösung, Giftausleitung

Signaturenlehre-Herbstzeitlose-Cholchicum-autumnale-gr.jpg Abb: Herbstzeitlose (Colchicum)
Wesen:

Auflösung und Zerteilung von altem, aufgestauten Gift. Vor allem, wenn im Herbst des Lebens die Altlasten die Flexibiltät lähmen und das Herz beschwert ist. Bringt milde Sonnenwärme und geistige Offenheit in den Herbst des Lebens.

Signatur:

Die Herbstzeitlose ist ein Bote des beginnenden Herbstes. Wenn  der Sommer beginnt, sich zu verabschieden und sich die Blätter der Laubbäume langsam verfärben, bereitet sich die Natur auf die Winterruhe vor. Umso faszinierender ist der Anblick der herbstlichen Wiesen mit den hell rosa bis zart violetten aufstrebenden langen Blüten der Herbstzeitlose. Colchicum ist ein hochgiftiges Liliengewächs, das bis 25 cm hoch wird. Ihr Name leitet sich aus dem Lateinischen ab und bezeichnet eine Region am schwarzen Meer namens „Kolchis“ und „autumnale“ meint herbstlich.

Die Herbstzeitlose ist eine ausdauernde Knollenpflanze. Sie entwickelt grundständige, breitlanzettliche und saftige Blätter. Sie lebt gesellig auf feuchten Wiesen, die nicht stark gedüngt sind. Die Pflanze blüht im Herbst mit zarter rosa bis violetter Färbung, die ätherisch anmutet, während die Blätter und die dreifächrigen, vielsamigen Kapselfrüchte erst im darauffolgenden Frühling erscheinen. Während des Winters ist oberirdisch von der Pflanze nichts zu sehen. Die Blätter treiben erst im April des nächsten Jahres aus und es schiebt sich inmitten der bodenständigen Blattrosette die Samenkapsel hoch. Sie ähneln einer Tulpenknospe Die schwarzen Samen besitzen klebrige Anhängsel, die sich leicht an die Klauen von Weidevieh heften und dadurch rasch verbreitet werden. Die Ausbreitung erfolgt auch über Ameisen, die die Samen aufgrund ihrer stärke- und fetthaltigen Anhängsel in die Gänge ihrer Nester tragen. Zusätzlich erfolgt die vegetative Vermehrung, die bei dem Geophyt Colchicum stark ausgeprägt ist durch Bildung von Seitenknollen während der Vegetationsperiode, aus denen die neuen Blüten sprießen, unterdessen die alte Knolle abstirbt.

Eine besondere Eigenart ist, dass zur Blütezeit, die von August bis Oktober dauert, nur ein Teil der Blüte oberirdisch sichtbar ist. Zwei Kreise von jeweils drei Perigonblättern sind an der Basis zu einer langen Röhre verwachsen, die bis in den Boden reicht. Der aus drei Fruchtblättern verwachsene Fruchtknoten befindet sich zur Blütezeit unter der Erde; So steht er zwar oberständig, aber unterirdisch. Er schließt unmittelbar an die Speicherknolle an. Jede Knolle bildet bis zu drei Blüten aus. Die Bestäubung erfolgt über Insekten. Die Blüten tragen sechs Staubblätter. Die Signatur weist auf eine verhaltene, eher ins Innere gerichtete, mehr in die feinstofflichen Sphären reichende Blüte hin, wenn man sie vergleicht mit den farbenfrohen „lauten“ und vitalen Blumen der sonnenreichen Frühlings- und Sommerzeit. Die Zwiebel hat einen ekelhaft starken Geschmack, der Genuss der Blüte scharf schmeckend und löst Ermattung und Bauchschmerzen aus.

Tradition:
Der Sage nach lebte in Kolchis am schwarzen Meer die Zauberin Medea, welche die Pflanze Colchicum erschaffen haben soll. Neun Nächte habe sie Pflanzen für einen aufwändigen Verjüngungstrank gesammelt. Als das fertige Gebräu tropfenweise auf die Erde fiel, erwuchs an jenen Stellen die attraktive, aber hochgiftige „Zeitlose.“ In Griechenland findet die Pflanze keine Erwähnung. Dioskurides beschreibt lediglich ihre Giftigkeit und empfiehlt als Antidot Kuhmilch. Im Mittelalter war die Pflanze unter dem Namen Hermodactylos bekannt. Hildegard von Bingen führt sie unter dem Namen „ Heyoheubt“ offenbar als Heilmittel gegen Ausschläge am Kopf und gegen Läuse ein.

Aufgrund der Giftigkeit der Pflanze sind zahlreiche Aufzeichnungen über Giftmorde aus dem Mittelalter bekannt. Der Tod tritt bei vollem Bewusstsein ein durch Atemlähmung oder Kreislaufversagen. Weidetiere meiden Colchicum instinktiv und sortieren selbst die Blätter aus dem Heu aus. Pferde und Schweine reagieren auf das Gift empfindlicher als Rinder, Schafe und Ziegen. In Rom kam es zu Vergiftungen vieler Menschen, die die Milch von Ziegen genossen hatten von einem Weidegebiet, in dem Colchicum verbreitet war. Deshalb ist die Herbstzeitlose auf Weidegründen stark ausgerottet. Die Herbstzeitlose besitzt eine Fülle von deutschen Namen: „Schulblume“, wohl weil sie blüht, wenn die Sommerferien zu Ende gehen. „Nackte Jungfer“, da die Blüte sich nackt, ohne Blätterkleid präsentiert. „Wiesensafran“ wegen der herbstlichen Blütezeit und der Ähnlichkeit mit dem Safran Krokus. „Leichenblume“, wohl wegen ihrer schnell tödlichen Giftwirkung. „Spinnblume“. Wenn sie blüht beginnen die langen Herbst- und Winterabende, die Frauen und Mädchen am Spinnrad verbrachten.

Paracelsus beschreibt Colchicum als äußerliches Beruhigungsmittel des Gehirns. Bock nutzte es äußerlich als schmerzlinderndes, hautreinigendes Mittel. Matthiolus und Weinmann warnen vor innerlichem Gebrauch. Erst bei von Haller finden sich Aufzeichnungen über innerlichen Gebrauch im Sinne von „trefflich auflösend und zerteilend“. Es war Störck, der Colchicum aufgrund klinischer Beobachtungen in die Heilkunst eingeführt hat. In der Volksmedizin wurde der Absud der Zwiebel und der Blüten bei Kindern und bei Vieh gegen Ungeziefer eingesetzt. Im 16. Jahrhundert enthielten viele „Geheimmittel“ gegen Rheuma und Gicht und chronische Erkrankungen als Hauptmittel Colchicum. Hufeland führte es innerlich bei Gicht und Rheuma als wirksam an. Zunehmend wird die sichere Heilkraft von Colchicum bei akuten Gichtanfällen beschrieben (Williams, Stephenson u. Churchill, Bentley u. Trimen, Maclagan, Minkowski) aufgrund der harnsäureausleitenden und diuretischen Wirkung. Auch Leclerc teilt diese Erfahrung, warnt aber vor dem Einsatz des Mittels bei Niereninsuffizienz.

1833 wies Geiger das Colchicin als Inhaltsstoff in allen Pflanzenteilen nach. In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde Colchicin in reiner Form isoliert. Colchicin hat nachweislich eine antiphlogistische Wirkung und steigert die Harnsäureausscheidung im Ileum um 100%, wie Beck 1932 nachwies. Die Antitumorwirkung des Colchicins ist im Tierversuch mehrfach nachgewisen. Bei Menschen wurde es äußerlich bei Krebsgeschwüren in Salbenform gebraucht. Ansonsten ruft Colchicum auf der Haut stark juckende Ausschläge hervor. Durch seine Giftigkeit hat Colchicum Eingang in die Homöopathie gefunden. Dort wird es außer bei gichtigen und rheumatischen Prozessen gerne angewandt, wenn das Herz in Mitleidenschaft gezogen ist mit Schwäche und Dyspnoe, vor allem mit der Modalität der nächtlichen Verschlimmerung. Stauffer nannte es ein gutes Herzmittel. Auch bei Enterocolitis mit starkem Schleimabgang und bei hartnäckigem Singultus mit Übelkeit, Erbrechen als Folge von Magenkarzinom findet es laut homöopathischer Literatur Anwendung.

Vorkommen:
Colchicum ist ein Archeophyt, ein Alteinwanderer. Die Heilpflanze stammt ursprünglich aus Westasien und dem östlichen Mittelmeerraum, ist aber im Mittelalter durch Landschaftswandel in Grünlandwirtschaft und durch beabsichtigte Anpflanzungen in Gärten weit nach Norden vorgedrungen. Sie vermeidet Städte und im Norden Deutschlands fehlt sie fast vollständig. Typische Standorte sind feuchte, nährstoffreiche, mäßig sonnige Wiesen. Auf überdüngten Böden wächst sie kaum.

Inhaltsstoffe:
In allen Pflanzenteilen findet sich das Colchicin, ein äußerst giftiges Alkaloid. Daneben Democolcin, Colchikosid und weitere Alkaloide. Die pharmakologische Wirkung: Die Alkaloide der Herbstzeitlose wirken entzündungshemmend und sind Zellgifte. Sie blockieren wesentliche Funktionen der Zellen und hemmen die Zellteilung sowie die Aktivität der Lymphozyten.

Indikationen:
In homöopathischer Form vermag die Herbstzeitlose aufgestaute Emotionen, die in der „heißen Sommerzeit“ des Lebens durch äußere Aktivitäten und Erfordernisse nicht in die unmittelbare zeitgerechte Bearbeitung aufgenommen wurden und deren Giftigkeit im Inneren aufgestaut wurde, der Nachbearbeitung und Auflösung zuführen. Dadurch kann auch die selbstzerstörerische Giftigkeit in der herbstlich milden Nachbetrachtung in Vergebung gewandelt werden kann. Besonders geeignet, wenn sich die giftbeladene Bedrückung auf der Körperebene in mangelnder Flexibilität des Skeletts signalisiert und das Herz sich bedrückt fühlt.

Vorwiegend in homöopathisierter Form bei Rheuma und Gicht sowie Sehnenscheidenentzündung. Auch wirksam bei Magen-Darm-Störungen entzündlicher Art mit Übelkeit. Auch bei Ergüssen in den Körperhöhlen kommt es zur Anwendung und bei Nierenentzündung. Auch in der Krebstherapie findet Colchicin Einsatz, indem gezielt die Teilung von bösartigen Tumorzellen gestört wird.

Das PEKANA Signaturenlehre Lexikon:
In der Kategorie Signaturenlehre steht Ihnen eine breite Auswahl an Heilpflanzenbeschreibungen zur Verfügung. Das PEKANA Signaturenlehre Lexikon wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert und erweitert.

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