Kommt bei Homöopathie die Wirkung durch den Glauben? Umgekehrt.

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Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) - Signaturenlehre

Löst Krampfzustände, weckt den Realitätssinn.

Signaturenlehre Hyoscyamus niger schwarzes Bilsenkraut.jpg Abb: Hyoscyamus niger (Bilsenkraut)
Signatur:                                                                                    

Das schwarze Bilsenkraut, auch „Hexenkraut“ genannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die krautige Pflanze wird meist 30 - 80 cm hoch. Die Wurzel ist spindelförmig und nach oben hin rübenförmig, der Stängel ist klebrig. Die Blätter sehen länglich eiförmig aus und sind grob buchtig gezähnt. Die unteren Blätter umfassen den Stängel, die oberen sind schmal gestielt. Bilsenkraut kann je nach dem Zeitpunkt der Keimung ein- oder zweijährig sein. Bei zweijährigen Pflanzen erscheint im ersten Jahr nur eine Blattrosette.

Im darauffolgenden Jahr kommt die Pflanze dann zur Blüte. Den einjährigen Pflanzen fehlt oft der purpurne Blütenfarbstoff. Die trichterförmige Blüte besteht aus einem einseitswendigen Wickel. Sie ist schmutzig gelblich weiß mit feinviolettem Adernetz. Die Blüten sind in den Blattachseln angeordnet. Sie haben einen widerlichen Geruch. Sie enthalten fünf Staubgefässe, die unten dicht behaart sind. Aus dem Fruchtknoten wird eine zweifächrige, vielsamige Kapsel, die von dem vergrößerten Kelch umschlossen ist. Sie öffnet sich an der Spitze mit einem aufspringenden Deckel. Der Samen ist graubraun, grubig vertieft und ca. 1 x 1,3 mm groß. Die Blütezeit erstreckt sich über die Monate Juni bis Oktober.

Wenn wir uns die auffallensten Merkmale der Signatur anschauen, dann ist es die Trichterblüte mit ihrer auffallenden violetten Zeichnung. Sie hat etwas Faszinierendes, weshalb man den Blick kaum von ihr wenden kann und sich gewissermaßen in ihren schattenhaften Bann gezogen fühlt, nicht ohne das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Auch der Wuchsort dieses Nachtschattengewächses ist auffallend. Bilsenkraut bevorzugt Schuttunkrautgesellschaften als Standort. Der widerliche Geruch hat etwas Abstoßendes, vermittelt also dieses: „Kommt mir nicht zu nahe, sonst seid ihr verloren.“ Hyosyamus niger ist eine hoch giftige Pflanze.

Tradition:                                                                                                                                               

Der Name Hyoscyamus findet sich schon bei Dioskurides und kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt: Schweinsbohne, angeblich weil die Pflanze für Schweine besonders giftig sein soll. Im Altertum hieß die Pflanze auch Appolinaris nach Apollo, dem Gott der Wahrsager. Wegen der faszinierenden Blüte wird die Pflanze im österreichischen Volksmund auch das Teufelsauge genannt. Dioskurides beschreibt bereits die Wirkung von Hyoscyamus, nach deren Einnahme Lethargie und Wahnsinn auftreteten. Er beobachtete aber auch die schmerzstillende Wirkung der Blätter, wenn man sie frisch auflegt. Nach Plinius soll man den Rauch der getrockneten Pflanze bei Zahnschmerzen einatmen.

Im Mittelalter ersetzte das Bilsenkraut das Chloroform in den Operationssälen. Die Anwendung im medizinischen Bereich blieb eingeschränkt. Mit den Vergiftungssymptomen bei Tieren und Menschen wurde man häufig konfrontiert, die nicht nur schnell tödlich enden, sondern bei Überleben nachhaltige Wirkungen zurücklassen, wie Gedächtnisverlust und völlige Persönlichkeitsverfremdungen. Bei Shakespeare finden wir einen klassischen Vergiftungstod. Der König in Hamlet wurde mit Bilsenkraut vergiftet. Der Geist des verstorbenen Vaters erscheint dem Dänenprinzen und spricht:

„Da ich im Garten schlief, wie immer meine Sitte nachmittags, beschlich dein Oheim meine sich’re Stunde, mit Saft verfluchten Bilsenkrauts im Fläschchen. Und träufelt in den Eingang meines Ohrs; Somit des Menschen Blut in Feindschaft steht, dass es durch die natürlichen Kanäle des Körpers hurtig wie Quecksilber läuft.“

Bilsenkraut bildete einen Bestandteil in den Hexensalben, womit sich die Hexen vor ihrem angeblichen Flug durch die Lüfte einrieben. Diese Wahrnehmungen hängen mit dem durch die Inhaltsstoffe verbundenen Gefühl des Fliegens und allerlei Visionserfahrungen zusammen. Deshalb hat das Bilsenkraut auch in der Zauberei stets eine große Rolle gespielt. Interessant auch ist es, dass die Bierbrauer den Samen der Pflanze nutzten, um ihre Getränke berauschender zu machen. Hippokrates und Paracelsus wendeten die Pflanze oft an. Matthiolus beschreibt sie als schlaffördernd und blutstillend.

In Hufelands Arzneischatz hatte das Bilsenkraut einen besonderen Platz. Er nutze seine Wirkung als Schlafmittel und Spasmolytikum. Harley setzte kleine Gaben ebenfalls bei Schlafstörungen, aber auch bei kardialem und bronchialem Asthma ein. In der russischen Volksmedizin wurden Dämpfe des Bilsenkrauts in der Zahnheilkunde bei Schmerzen gebraucht. Nach Leclerc ähneln die Wirkungen des Bilsenkrauts denen von Belladonna. Er bevorzugt seine anästhesierende und antispasmodische Wirkung, wenn zugleich Geisteskrankheiten vorliegen. Im Übrigen empfiehlt er diese Arznei bei unwillkürlichen gesteigerten Muskelbewegungen, die isoliert oder in choreatischen Symptomen deutlich werden. Bei Parkinson ist für ihn Bilsenkraut das Mittel der Wahl.

Die beruhigende Wirkung kommt auch bei allen Spasmen im Magen-Darmbereich und der Blase zur Geltung. Hyoscyamus fand auch Eingang in die Homöopathie. Hahnemann schreibt: „Das Bilsenkraut hat in seinem Arzneimittelbild Krämpfe, welche viel Ähnlichkeit mit der Fallsucht haben.“ Ein weiteres, von vielen Homöopathen geprüftes, wesentliches Symptom war trockener, krampfartiger Husten, weshalb Stauffer das Bilsenkraut bevorzugt bei Kitzel- und Krampfhusten in niedrigen Potenzen eingesetzt hat. Heute finden wir Hyoscyamus in vielen homöopathischen oder spagyrischen Komplexmitteln.

Vorkommen:                                                                                                                                            

Das schwarze Bilsenkraut wächst auf Schutthalden, an Mauern, an Wegrändern am liebsten in nährstoff- und stickstoffreichen Sand- oder Lehmböden. Wir finden den Strauch von Skandinavien bis Südeuropa. Sowohl in Nord- und Westasien, in Nordindien und Nordafrika ist er ansässig. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist er eher selten anzutreffen.

Inhaltsstoffe:                                                                                                                                     

Hauptsächlich finden wir die giftigen Tropan-Alkaloide Scopolamin und Hyoscamin. Daneben enthält die Pflanze noch Flavonoide. 50 mg Scopolamin sind tödlich für den Menschen. Auch niedrigere Dosen können schwere Vergiftungen mit irreversiblen Schäden neurotoxischer Art auslösen.

Indikationen:
In entsprechender Verdünnung oder homöopathischer Dosis vermag Hyoscyamus seelische Verkrampfungen, nervliche Irritationen mit Wahnvorstellungen und Delirien zu lösen. Es hilft bei ängstlicher Erregung mit totalem Kontrollverlust und bei durch Halluzinationen ausgelöstem Argwohn und Eifersucht. Auch bei Schreikrämpfen und Angst vor Vergiftung kommt diese Arznei zum Einsatz.

Durch seine Wirkung auf das vegetative Nervensystem kann diese Arznei sehr hilfreich sein auch bei schweren Fällen von Parkinson, ebenso bei der Paralysis agitans und dem senilem Tremor. Durch seine gleichzeitig sedierende Wirkung ähnelt das Wirkungsprofil weniger dem sonst verwandten Belladonna, sondern mehr dem Opium mit dem Vorteil, dass es keine Obstipation verursacht.

Die wichtigste Indikation ist vor allem aus der Erfahrung der Homöopathie hervorgegangen: Krampf- und Reizhusten, speziell Kitzelhusten. Besonders Pertussis mit nächtlichen Hustenattacken spricht gut an. Auch bei chronischen Bronchialkatarrhen, Asthma, Laryngitis und Pneumonien kommt es zum Einsatz.

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